30. Dezember 2013

Session #9 – Disco Night

Neunmal hat das Reptil schon ins Interlakner Kunsthaus eingeladen, beim neunten Mal allerdings einen Farbton aufgesetzt, der Premiere feierte: Von Rock über Pop, Reggae, Hip-Hop und Mundart waren die Stilrichtungen schon allesamt vorgegeben, eine «Disco Night» gab es bisher noch nicht. Das änderte sich am 30. Dezember, ungewohnterweise an einem Montag, was allerdings nicht etwa bedeutete, dass die Zuschauer fernblieben. Eine der positiven Eigenschaften der Chamäleon Sessions für die Besucher: Finanziert wird der Anlass von Sponsoren, die das Gute darin sehen, lokalen Bands eine Auftrittsmöglichkeit zu geben – genau das war die Idee der beiden Gründer Sam Moser und Niels Frederiksen, als sie die Sessions im Herbst 2012 ins Leben riefen. Folge davon: Eintritt frei für die Besucher, und die kamen also auch an einem Montagabend in Vorfreude auf die Silvester- und Neujahrpartys, lauschten zuerst dem Sound von Sängerin Kim Binggeli und Pianistin Laura Flück, beide aus Brienz, und tanzten dann zum Gebotenen der Interstellar Funk Connection um Stefan Bernhard aus Oberried und Sam Spörri aus Ringgenberg an Trompete und Posaune, beides Studenten an der Berner Jazzschule.

Die Bläser spielten schon zu Zeiten in Schülerbands am Gymnasium Interlaken gemeinsam, dann in der Gruppe «Suk Lick Funck», die sich später nach Besetzungswechseln in «Funky Sanchez» umbenannte und heute, etwas jugendfreier und wieder mit neuen Musikern bestückt, Interstellar Funk Connection heisst. Ausschliesslich angehende Musikprofis gehören zur Band: Francesco Rezzonico am Bass, Franz Flückiger am Piano, Philippe Adam am Schlagzeug, Carlo Menet an der Gitarre sowie Sängerin Hanna Pirsch. Songs wie «Freak U» oder «Whats Up Whats Up», beide von Nils Landgren, stehen im Repertoire wie Eddie Harris‘ «Cold Duck Time», aber auch Eigenkompositionen oder ein Medley mit Songs von Stevie Wonder als Zugabe. Als «Special Guest» auf der Bühne war Pascal Hiltbrand, der Sänger, der in erster Linie als Stimmungsmacher dient.

Der Sound kam so einwandfrei daher, wie man es von Jazz-Studenten erwarten kann: Musikalisch sauber, mit starken Soli, groovig. Die nächste Gruppe im Programm, «BFU» mit Sandro und Rolf Häsler, blies stilistisch ins gleiche Horn und spielte hingegen so, wie man es von Jazz-Profis erwarten darf; hier noch etwas genauer, da noch eine Nuance musikalischer. Neben den Häsler-Brüdern gehört mit Daniel (Schlagzeug) und Benjamin Schärer (Bass) ein weiteres Geschwisterpaar dazu, die Harmonien liefern Lorenz Schaller am Keyboard und Stephan Urwyler an der Gitarre. Den Schlusspunkt unter die neunte Session setzten die DJs Roger und Soulstrip. Beim nächsten Mal präsentiert das Chamäleon von der Gitarre nicht mehr «Funky Licks», sondern erdigen Rock, nämlich am 1. Februar.

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